Hannes Gürne

Ich bin bald 63 Jahre alt, verheiratet, Vater von 4 erwachsenen Kindern, erwarte gerade mein 3. Enkelchen. Bin in Stuttgart geboren, habe dort mein Abi gemacht, in Tübingen Soziologie, Politik, Germanistik, Jura und in Erlangen dann Lehramt Deutsch und Geschichte studiert. In Vorderhaslach bei Happurg habe ich 8 Jahre lang einen Demeterhof mit aufgebaut und dort in der Hofgemeinschaft gelebt. Damals habe ich bei Energie-Concept als Solateur gearbeitet, heute arbeite ich teils als selbstständiger Energieelektroniker, teils angestellt als Ausbilder für Elektrik, Robotik und Bau bei der BFZ in Neumarkt. Wir versuchen, Schülern der 7. und 8. Klassen einen Einblick in verschiedene Berufsbilder zu vermitteln.

Hannes Gürne

Position

Schriftführer und Vorstandsmitglied in OV & KV

Kernthema

Soziale Gerechtigkeit, PV & E-Mobilität

Alter

Geboren in

Stuttgart

Lebt in

Bondorf seit 25 Jahren

E-Mail

Grünen Zielen und Ideen bin ich seit jeher verbunden, bereits 1978 habe ich, damals 16-jährig, in Gorleben beim Aufbau eines Windrades zur Bewässerung von neu angepflanztem Wald auf dem Gebiet des geplanten Endlagers mitgemacht, habe quasi in der Pubertät das Entstehen der Grünen mitverfolgt. In die Partei eingetreten bin ich aber erst vor ca. 6 Jahren, als Paul, Norbert und Elke den grünen OV in Schnaittach wiederbelebt haben. So ergab sich die Chance bei etwas mitzumachen, was gerade erst am Entstehen war und die Hemmschwelle, sich zu engagieren, war so viel geringer, als von außen, in einen seit langem bestehenden Verein einzutreten.

In Mittelfranken lebe ich nun seit mehr als der Hälfte meines Lebens - bin aber bei uns im Dorf immer noch ein Zugezogener. Wir wohnen in einem kleinen Hirtenhäuschen mit viel Land und lieben Nachbarn, ein paar Schafen, Hund und Hühnern (gerade war allerdings der Fuchs da….).

Ich bin der festen Überzeugung, an einem der besten Plätze der Erde, zu einem der besten Zeitpunkte in der Geschichte leben zu dürfen. Ein jeder möge sich mal vor seinem geistigen Auge ausmalen, wie das Leben aussehen könnte, wäre er oder sie stattdessen in Äthiopien oder Manila geboren, in Kasachstan oder in der Ukraine. Selbst in Neuseeland ist die 6-Tage Woche heute noch üblich und das auch gerne mal 10 Stunden am Tag…. Oder eben auch nur ein halbes Jahrhundert früher! Ich hätte zwei Kriege erleben müssen, statt Zivildienst machen zu dürfen…

Jedenfalls glaube ich, dass fast jeder hier in Deutschland zur der Milliarde Menschen auf der Erde gehört, denen es am besten geht. Top Ten also bei über 8 Milliarden Weltbevölkerung! Allerdings hat sich diese Weltbevölkerung während meines Arbeitslebens bereis mehr als verdoppelt! Als ich 1983 Abi gemacht habe, hatte die Menschheit gerade die 4-Milliarden-Grenze überschritten. Im November 2024 haben wir die 8-Milliarden gerissen. Und die allermeisten davon leben bei weitem nicht auf unserem Zivilisationsniveau. Also auch nicht mit unserem Ressourcen- und Energieverbrauch, nicht mit unserem Müllaufkommen und CO2-Ausstoß.

Selbst wenn wir es in Europa noch halbwegs rechtzeitig schaffen sollten, vor Erreichen der zentralen Kipppunkte klimaneutral zu werden, müssen wir noch viel, viel mehr tun, um auch den Anstieg klimaschädlicher Tendenzen in anderen Teilen der Erde mit auszugleichen.

Die Welt ist auch heute zutiefst ungerecht. Und wir sind ein Teil davon. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde. Beim momentanen Zustand der USA kann man fast von der größten demokratischen Volkswirtschaft sprechen. Aber auch wir schaffen es nicht, politisch so zu handeln, wie es notwendig und einfach objektiv richtig wäre. Fast scheint es so, als falle es der diktatorischen, teilweise menschenverachtenden Politik der Volksrepublik China manchmal leichter, Richtiges umzusetzen, als unserer freiheitlichen Demokratie, die die Interessen der Individuen oft besser schützt, als die der Allgemeinheit.

Ich bin ein großer Anhänger der freiheitlichen Demokratie und schätze die Freiheit des Individuums hoch. Aber zu unseren Werten sollten auch Gerechtigkeit und Brüderlichkeit gehören. Und zur Gerechtigkeit gehört auch die Gerechtigkeit anderen Gesellschaften gegenüber. Humanistische Werte im eigenen Land hochzuhalten, aber ungerührt zuzusehen, wie Flüchtlinge aus schierer Not und Ausweglosigkeit im Mittelmeer ertrinken, passt nicht zusammen.

Zur Wahrheit gehört auch, dass vieles von unserem Wohlstand auf Kosten anderer, weniger wohlhabenden Teilen dieser Erde zurückzuführen ist. Wir Wohlhabenden haben schon viel mehr, als den uns zustehenden Anteil von allem verbraucht.

Ich bin froh, an keinem anderen Zeitpunkt der Geschichte an keinem anderen Ort als unserem leben zu dürfen

- Hannes Gürne

Wenn wir für eine gerechtere Welt sorgen wollen, wird es nicht reichen, wenn unser nächster BMW elektrisch fährt, wir unsere 150m2 für zwei Personen mit Wärmepumpe heizen und unser Rumpsteak vom Bio-Rind stammt. Gerechter kann die Welt nur werden, wenn wir von unserem allgegenwärtigen Zuviel wieder runterkommen! Es nimmt doch zum Teil schon groteske Züge an, wenn heute jeder Schreinerlehrling ganz selbstverständlich ein Auto fahren kann, wie es vom Komfort her vor 50 Jahren noch dem Bundespräsidenten vorbehalten war. Wenn ebenso selbstverständlich immer mehr Menschen zu zweit 150 oder mehr qm Wohnraum heizen, putzen und finanzieren - weil die Kinder inzwischen aus dem Haus sind, man aber keine Fremden im Haus haben will und daher nichts vermietet, während junge Familien keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Wenn sich auch der normale Angestellte die Kreuzfahrt in die Arktis leisten kann, um diese noch zu erleben, solange sie noch existiert.

Ich bin der festen Überzeugung, dass unser inzwischen selbstverständliche Überfluss sowohl für die gesamte Gesellschaft, als auch für das Individuum im höchstem Maße ungesund ist. Wir kaufen Dinge kaum noch, weil wir sie wirklich notwendig brauchen, eher weil etwas aus der Mode ist, man an anderen Dingen Abnutzungsspuren sieht, weil es sich Absetzen lässt, weil der Nachbar ähnliches hat…..und schmeissen anderes auf den Müll, was eigentlich längst noch nicht ausgedient hätte.

Weniger Zeit mit bezahlter Arbeit, dafür in kleineren Wohnungen mehr Freizeit zu verbringen, mit kleineren Autos und insgesamt weniger unnötigem Konsum auszukommen, muss nicht nur Verzicht sondern kann auch eine Bereicherung darstellen. Es fühlt sich so viel richtiger an, mit 95 auf dem Elektroroller zur Arbeit zu fahren, als mit dem, für einen alleine, viel zu schweren Diesel! Sie beste Zeit in diesem Jahr war die Fahrradtour mit dem Zelt über die Alpen - nur mit dem, was in die Fahrradtaschen gepasst hat.

Aber abgesehen davon, dass mich die Jammerei der Mehrheit der Bevölkerung auf allerhöchstem Niveau masslos aufregt, empfinde auch ich die Verteilung von Land, Besitz und Einkommen - und damit eben auch die Möglichkeiten von Teilhabe und Einflussnahme auf die Gesellschaft, als zutiefst ungerecht verteilt.

Letztendlich sehe ich unsere goldene Kuh, die zwischenzeitlich eher abstruse, denn freie soziale Marktwirtschaft, als Ursache vieler unserer Probleme.
Wenn das Hauptproblem der Mehrheit der Bürger ein Zuviel von allem ist, scheint grenzenloses Wachstum ein schlechtes Konzept.
Wenn das Empfinden von Ungerechtigkeit unsere Demokratie ins Wanken bringt, wirkt es sich fatal aus, daß Reichtum immer noch mehr Reichtum generiert und die Schere zwischen arm und reich weiter aufgehen lässt,
wenn die einen sich keinen Wohnraum mehr leisten können, während sich andere immer wieder neue Immobilien kaufen müssen, um ihre Mieteinnahmen am Fiskus vorbei in den zukünftigen Reichtum ihrer Erben zu investieren.

Ja, das Erbrecht und die Besteuerung von Erbe ist auch so ein Punkt, über den ich mich aufregen könnte…

Wie aus meinem bisherigen Text unschwer herauszulesen ist, stimme ich in meiner persönlichen Einschätzung keinesfalls 100 prozentig mit dem Parteiprogramm der Grünen überein. Meine Ansichten und Forderungen wären in vielen Punkten viel radikaler.

Ich würde mir wünschen, unsere Partei würde soziale Aspekte mehr in den Vordergrund rücken, grüne Kernthemen wie die Bewahrung der Schöpfung, Erhaltung von Natur und Artenvielfalt wieder als Prämisse allen politischen Handelns bei allen Entscheidungen und Forderungen mit bedenken, ich würde mir eine kritischere Haltung zu unserem Wirtschaftssystem und zum Einsatz militärischer Mittel wünschen. Auch würde ich mir wünschen, von Seite der grünen Frauen würde eine Diskussion darüber begonnen, wie zeitgemäß unser Frauenstatut in seiner jetzigen Form heute noch ist. Ich habe dazu zwar meine Meinung, bin als Mann aber der Falsche um so eine Diskussion zu beginnen…

Hannes mit seinem Kumpan Elektro Roller

Es ist mir selbstverständlich klar, daß man in der Realpolitik Kompromisse eingehen muss, ich schätze den Kompromiss sehr als das womöglich demokratischste Element der Politik überhaupt. Aber ich habe heute den Eindruck, daß viele politisch agierende, auch grüne, sich gar nicht mehr trauen, mit ihren wirklichen Überzeugungen und Ansichten in den eigentlichen Diskurs um einen Kompromiss einzusteigen, stattdessen stehen oft bereits beim Formulieren der Forderungen die Realisierbarkeit und die vermutete Angst der Bürger vor Veränderung im Vordergrund.

Oft, wenn ich mit Mandatsträgern über das Thema des notwendigen Verzichts des Einzelnen, über das Zurückschrauben des Überflusses zum Wohle aller gesprochen habe, kam sinngemäß die fast schon stereotype Reaktion: „Du hast ja recht, aber wenn wir das öffentlich sagen, wählt uns niemand mehr, wir fliegen aus den Parlamenten und haben gar keinen politischen Einfluss mehr….“

Da das nicht von der Hand zu weisen ist, beschreibt es ganz gut das Dilemma, in welchem ich mich politisch befinde.

Unsere Wirtschaftsordnung scheint momentan weltweit nahezu überall akzeptiert, häufig scheinen sogar China oder Russland heute als die überlegeneren Kapitalisten - aber ich finde sie falsch!

Zu unserem Erbrecht gibt es weltweit kaum eine ernstzunehmende Alternative (wohl aber gerechtere Besteuerung, als bei uns…) - aber ich finde es falsch!

All den rechten und rechtsradikalen Populisten und ihren Anhängern in unserem Land würde ich gerne ehrlich und direkt ins Gesicht sagen, was ich von ihnen halte.. - aber da die in Bayern, den Wahlergebnissen nach, über die Hälfte der Wahlberechtigten ausmachen, müssen eben mit genau diesen die Kompromisse eingegangen werden, wenn politisch irgend etwas bewegt werden soll.

Als mit das Schlimmste, was in den letzten Jahrzehnten geschehen ist, empfinde ich, das Putin es soweit gebracht hat, das heute Krieg in Europa wieder gesellschaftsfähig scheint. Einerseits bin ich der festen Überzeugung, dass wir die Ukraine nicht alleine lassen dürfen und Putin so nicht erfolgreich sein darf, andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, eines meiner Kinder in den Krieg zu schicken oder selber als Soldat auf andere Soldaten zu schiessen, die ihrerseits für einen Krieg genauso wenig verantwortlich sind , wie ich selber.

Ich finde es unerträglich, wenn in einem Staat, der sich christlich nennt, ein Vielfaches von dem, was es kosten würde, die Menschen anständig unterzubringen, dafür ausgegeben wird, Bedürftige - rechtlich fragwürdig - an den Grenzen zurückzuweisen. Aber der überwiegende Teil der Bevölkerung findet es richtig.

Ihr seht, es ist nicht nur ein Dilemma, in dem ich stecke, es sind viele! Aber ich sehe nirgendwo eine bessere an deren Auflösung zu arbeiten, als in unserer grünen Partei.

Ich weiß, ein langer Text. Aber ich hoffe, er hilft euch mich politisch einschätzen zu können und meine Ansichten kennenzulernen. Wenn er bei einigen von euch Diskussionsbedarf hervorruft, freue ich mich auf angeregte Gespräche!

- Hannes